
Harald Tenzer (1944-2025): Spuren, die bleiben
Viele Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, sind es nur, weil sich jemand früh um sie gekümmert hat. Harald Tenzer war so jemand. Er übernahm Verantwortung, wo sie gebraucht wurde und blieb, wenn andere weiterzogen. Er hat viel bewegt. Nicht beiläufig, nicht im Kleinen, sondern mit spürbarer Wirkung für die Region. Wirtschaft, Sport und gesellschaftliches Engagement hat er über Jahrzehnte hinweg aktiv gestaltet und miteinander verbunden. Sein Wirken war sichtbar, anerkannt und nachhaltig. Mit seinem Tod am 27.10.2025 verlor Braunschweig eine herzliche Persönlichkeit, die Verantwortung übernommen und die Region über viele Jahre hinweg sichtbar geprägt hat.
Engagement im Tennissport
Vor allem der Tennissport trägt seine Handschrift. Über viele Jahre hinweg prägte Harald Tenzer als Geschäftsführer der Brunswiek Marketing GmbH und Veranstalter das renommierte Braunschweiger Tennisturnier, das heute BRAWO OPEN heißt. Unter seiner Verantwortung entwickelte sich das Turnier zu einer international anerkannten Größe.
Für ihn war es mehr als ein sportlicher Wettbewerb: Es war und ist Begegnungsort, Plattform für Nachwuchs und Aushängeschild der Region. Spieler, Partner und Zuschauer schätzten die professionelle Organisation und die besondere Atmosphäre. Dass das Turnier mehrfach zum besten ATP-Challenger Turnier der Welt gewählt wurde, war Ausdruck seiner langjährigen Arbeit. Viele spätere Spitzenspieler sammelten in Braunschweig erste internationale Erfahrungen. Harald Tenzer glaubte an Entwicklung, an Geduld und an gute Rahmenbedingungen. Förderung bedeutete für ihn, Möglichkeiten zu schaffen und Vertrauen zu geben. Auch hier stellte er nicht sich selbst, sondern die Sache in den Mittelpunkt.
Werdegang
Geboren wurde Harald Tenzer 1944 in Goslar. Aufgewachsen ist er im Braunschweig der Nachkriegsjahre. Die Stadt war geprägt von Wiederaufbau, die Lebensverhältnisse waren einfach. Diese Zeit formte seinen Blick auf Verantwortung und Gemeinschaft. Verlässlichkeit, Pragmatismus und der Wille, Dinge voranzubringen, wurden für ihn früh zur Selbstverständlichkeit. Nach Schulzeit und Abitur in Braunschweig führte ihn sein Weg zunächst zur Bundeswehr. Eine militärische Laufbahn war möglich, doch Tenzer entschied sich bewusst für einen anderen Weg. Mit nur 23 Jahren trat er in das Familienunternehmen ein und entwickelte den Mineralölhandel konsequent weiter. Aus einem traditionellen Betrieb entstand ein modernes Großhandelsunternehmen. Wirtschaftlicher Erfolg war für ihn dabei nie Selbstzweck. Er verstand Unternehmertum stets auch als Verpflichtung gegenüber Gesellschaft und Region.

Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft
Dieses Verständnis spiegelte sich in seinem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement wider. Über Jahrzehnte hinweg brachte sich Harald Tenzer in wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen ein – in der Industrie- und Handelskammer, in Verbänden, als Handelsrichter sowie in kommunalen Ausschüssen. Er galt als sachlich, verbindlich und lösungsorientiert. Entscheidungen traf er nicht aus dem Moment heraus, sondern mit Blick auf langfristige Tragfähigkeit.
Ein zentrales Kapitel seines Wirkens ist mit dem Sport verbunden. Als Präsident von Eintracht Braunschweig übernahm Harald Tenzer Verantwortung in einer Phase großer sportlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen. Er setzte nicht auf kurzfristige Effekte, sondern auf stabile Strukturen. Mit dem von ihm initiierten Sponsoren-Pool „Eintracht 100“ band er mittelständische Unternehmen ein und schuf eine neue wirtschaftliche Basis für den Verein. Das Modell fand überregionale Beachtung und wurde vielfach als Beispiel für nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Sport herangezogen.
Der Mensch und Unternehmer
Trotz all seiner Aufgaben und Erfolge blieb Harald Tenzer ein zugewandter, verlässlicher Mensch, der jedem mit Respekt begegnete. Seine Autorität gründete nicht auf Positionen, sondern auf Haltung. Viele erinnern sich an seine Klarheit, seine Ruhe und seinen feinen Humor. Nach seinem Rückzug aus der operativen Verantwortung der BRAWO OPEN blieb er dem Turnier beratend verbunden. Seine Erfahrung, sein Blick für Zusammenhänge und sein Gespür für Menschen waren weiterhin Teil des Turniers.
Die BRAWO OPEN tragen seine Handschrift – in ihrer Struktur, in ihrer Atmosphäre und in ihrem Anspruch. Tenzer hat dieses Turnier zu einem festen Bestandteil des internationalen Tenniskalender gemacht und zugleich fest in Braunschweig verankert. Zum Abschied bleibt vor allem Dankbarkeit. Für das, was er aufgebaut hat. Für das, was er ermöglicht hat. Und für das, was weiterträgt.
Die BRAWO OPEN werden weitergespielt – getragen von dem, was er mitgegeben hat. Sein letzter Ball ist gespielt. Was er geschaffen hat, bleibt. Daher heißt der BRAWO Center Court nun „Tenzer Center Court“. Danke für alles Harald.






