„Ich liebe, was ich tue“
Riku Rajamaa, Leadgitarrist von Sunrise Avenue ist am 6. Juli mit guter Energie und subtiler Melancholie live zu erleben
Der finnische Ausnahmegitarrist Riku Rajamaa, vielen bekannt als langjähriges Mitglied der Alternative-Rock-Band Sunrise Avenue an der Seite von Samu Haber, hat in seiner Karriere nahezu alles erlebt: Headliner-Tourneen, ECHO-Auszeichnungen und ausverkaufte Stadien. Nach der Auflösung der Band 2022 entschied er sich jedoch bewusst für einen Neuanfang – weg von der großen Show, hin zur eigenen Musik.
Montag, 06. Juli 2026
ab 20:00 Uhr
Trotz der öffentlichen Präsenz blieb seine Haltung zu seiner Arbeit stets klar: „Ich liebe, was ich tue, und ich werde es immer tun – egal, wer zuhört. Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte, aber für mich geht es immer um Musik“. Der konstante Rhythmus eines international touring Acts ließ jedoch zunehmend weniger Raum für selbstbestimmte kreative Entwicklungen. „Irgendwann hat mir mein kreativer Ausdruck gefehlt“, beschreibt er den Wendepunkt.
Ein neuer Abschnitt beginnt
Seit dem Jahr 2023 konzentriert er sich vollständig auf sein eigenes Songwriting und ein akustisch reduziertes Live-Format, das bewusst ohne große Produktion auskommt. „Weniger Show, mehr Konzert – die Energie ist ganz anders“, fasst er sein aktuelles Arbeitsprinzip zusammen. Heute steht für ihn nicht mehr die Größe der Bühne im Mittelpunkt, sondern die Musik. Was früher in den Routinen einer großen Tour kaum Platz fand, kann jetzt wachsen.
Riku Rajamaa zeigt eindrucksvoll, dass eine Band weit mehr ist als ihr Sänger im Rampenlicht. Oft sind es die Musiker im Hintergrund, die einen entscheidenden Teil des Sounds formen. Er beschreibt sich selbst als nachdenklich, aber optimistisch. Erfolg bedeutet für ihn vor allem Zeit mit Menschen, die ihm nahestehen. Seine Musik verbindet die Erfahrung eines routinierten Live-Gitarristen mit einer genauen Aufmerksamkeit für Details. Trotz der großen Erfolge der vergangenen Jahre ist er bodenständig geblieben. Genau dieses Verständnis von Musik bringt er am 06. Juli auf die BRAWO OPEN Bühne.
Das Interview.
„Schalte den Kopf ab und genieße den Moment“
Interview mit Riku Rajmaa über Träume, Ziele und Glücksgefühle
Riku, gab es einen bestimmten Moment oder eine Person, die deine Liebe zur Gitarre entfacht hat?
„Nun, ich erinnere mich tatsächlich daran, dass einige meiner Klassenkameraden Akustikgitarre spielten – noch bevor ich im Alter von 14 Jahren meine eigene bekam. Ich dachte mir damals: ‚Es wäre toll, wenn ich auch lernen würde, etwas zu spielen.‘ Und irgendwie erinnere ich mich tatsächlich auch an einen ganz konkreten Moment aus derselben Zeit: Ich stand an einer Bushaltestelle und hörte das Intro eines Songs von Salt-N-Pepa, in dem ein E-Gitarren-Part vorkommt. Da dachte ich mir: ‚Wow, ich wünschte, ich könnte so spielen!‘ “
Welche Lektionen aus deiner Zeit in Bands begleiten dich heute noch auf deinem Weg als Solokünstler?
„Nun, im Grunde dieselben Dinge, die im Leben ganz allgemein immer gelten: Sei freundlich, verhalte dich nett und bleibe professionell, mach deinen Job so gut du kannst. Verhalte dich so, wie du dir wünschen würdest, dass andere sich dir gegenüber verhalten.“
Wann entstand der Wunsch, ganz allein Musik zu machen? Was war der entscheidende Wendepunkt?
„Eigentlich fing das schon an, als ich meine erste Gitarre bekam und meine ersten Songs schrieb. Lange bevor Themen wie Professionalität, Aufträge als freiberuflicher Musiker, Bandprojekte und dergleichen überhaupt eine Rolle spielten.“
Was bedeutet es für dich, Musiker zu sein? Wie würdest du deine Musik in wenigen Worten beschreiben?
„Für mich ist es ein Lebensstil. Gleichzeitig ist es Hobby und Beruf. Meine eigene Musik ist eine Mischung – ein Schmelztiegel all dessen, was ich im Laufe meines Lebens gehört habe. Sie ist geprägt von vielen Einflüssen: von der transatlantischen Songwriter-Tradition bis hin zu einem eher poppigen Ansatz – gewürzt mit allerlei Nuancen und Akzenten von hier und da.“
Wie gehst du mit dem Erwartungsdruck um, und hat sich deine Herangehensweise daran im Laufe der Jahre verändert?
„Ich versuche, den Gedanken an jeglichen Erwartungsdruck zu vermeiden, da er alles nur noch stressiger macht. Ich habe schon immer versucht, so zu handeln. Ich glaube zwar, dass ich früher ein sehr strenger Perfektionist mir selbst gegenüber war, aber mittlerweile habe ich es geschafft, etwas gnädiger mit mir umzugehen.“
Was fühlt sich heute anders an, wenn du allein auf der Bühne stehst?
„Nun, im Grunde fühlt sich mehr oder weniger alles anders an – und ist es auch – abgesehen davon, dass ich Gitarre spiele. Aber glücklicherweise bin ich bei den Auftritten mit der Band meistens nicht allein, denn dann stehe ich gemeinsam mit meiner eigenen Band auf der Bühne. Und das ist wirklich eine absolut großartige Sache.“
Was war dein bewegendster und außergewöhnlichster Moment mit deinem Publikum auf der Bühne? Was möchtest du mit deiner Musik auslösen und erreichen?
„Der erste Auftritt der ersten Tour war unglaublich aufregend (und ist es bis heute geblieben) und zugleich so erfüllend: die eigene Musik selbst spielen zu dürfen – und ganz besonders dann, wenn die Leute lächeln und mitsingen, das ist einfach ungemein bereichernd. Genau diese Erfahrung durfte ich nun auch auf meiner jüngsten Tour im Februar machen. Und das ist absolut fantastisch. Ich wünsche mir vor allem, dass meine Musik Glücksgefühle und eine wohltuende Freude auslöst, dem Hörer aber auch Trost und Hoffnung spendet. Was meine Ziele betrifft: Ich möchte weiterhin Musik machen und vor einem großen Publikum live auftreten.“
Wie entstehen die Themen und Geschichten in deinen Songs? Singst du dabei immer aus deinem eigenen Leben? Was oder wer inspiriert dich?
„Manchmal beziehen sich die Themen und Geschichten auf Erlebnisse aus meinem eigenen Leben – oder auf Dinge, die ein Freund oder eine andere Person erlebt hat. Gelegentlich tauchen sie jedoch auch völlig unvermittelt auf, scheinbar aus dem Nichts oder aus den Tiefen meines Unterbewusstseins.“
Wer sind deine musikalischen Vorbilder?
„Da gäbe es wohl viele zu nennen, aber beispielsweise hat John Mayer früher einen großen Einfluss auf mich ausgeübt, indem er die bluesige E-Gitarre in den Pop-Kontext integrierte. Schon bevor andere Künstler dies in einem derart großen Stil taten, fühlte ich mich genau zu dieser Art von Musik hingezogen.“
Entsteht ein Song bei dir meistens zuerst aus einer Melodie oder aus einem Gefühl heraus?
„Meistens beginnt der Prozess mit Akkorden – und vielleicht einem Gefühl, einer Textzeile oder einer ähnlichen Idee. Das hängt ganz von der jeweiligen Stimmung ab.“
Nimmst du Unterschiede zwischen deinen deutschen und deinen finnischen Fans wahr? Wie unterscheiden sich die Konzerterlebnisse in Deutschland und Finnland in puncto Atmosphäre, Energie und Nähe zum Publikum?
„Man sollte natürlich nicht verallgemeinern, aber ich würde behaupten, dass die deutschen Fans und das deutsche Publikum deutlich offener und aktiver sind als die Menschen in Finnland. Finnen können von etwas absolut begeistert sein – zeigen es aber womöglich nicht so offen nach außen.“
Du arbeitest auch mit anderen Künstlern zusammen. Mit wem würdest du eines Tages gerne zusammenarbeiten?
„Ja, ich spiele und arbeite wirklich gerne mit anderen Menschen zusammen. Oh Mann, es gibt so viele verschiedene Leute aus unterschiedlichsten Genres, mit verschiedenen Instrumenten und aus allen Teilen der Welt, dass es fast unmöglich ist, nur eine einzige Person zu nennen.“
Was würdest du musikalisch gerne noch ausprobieren – etwas, das dich vielleicht auch vor eine Herausforderung stellt?
„Es wäre cool, zu versuchen, ein paar Saiten- oder Blasinstrumente spielen zu lernen; aber es scheint, als hätte der Tag dafür einfach nicht genug Stunden.“
Wie möchtest du deine Musik in Zukunft weiterentwickeln?
„Eigentlich weiß ich das gar nicht und habe auch noch überhaupt nicht darüber nachgedacht. Ich wünsche und hoffe einfach: Wenn die Musik, die ich mache, mich selbst anspricht, dann möge sie hoffentlich auch anderen Menschen gefallen. Und natürlich ist das Thema, live auftreten zu können, ein ganz wesentlicher Punkt. Denn in einer Live-Situation hat man die Möglichkeit, mehr zu improvisieren, jeden Moment zu etwas Besonderem zu machen und sich auf diese Weise weiterzuentwickeln.“



